Kitzbüheler Alpen - 22.5. - 25.5.2008

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Wir lassen uns daher nicht von den Wetterprognosen, die ein eher verregnetes Fronleichnam-Wochenende prognostizieren, abschrecken und steigen am 22.5. um 4.30 Uhr in die Autos, um nach ein paar Stunden Fahrt diese in Kirchberg wieder zu verlassen.

 

Wer sind 'wir'? Mit 18 Bikern war die 'Dachsteinrunde' im Jahr 2006 unsere Haupttour mit den bisher meisten Teilnehmern. Und eigentlich dachten wir, dass diese Marke nur schwer zu erreichen bzw. sogar zu übertreffen wäre. Doch dann meldeten sich 30 (!) Personen für unsere heurige Tour an - unglaublich! Wegen einiger kurzfristiger Absagen nahmen dann immerhin noch folgende 24 Biker und 3 Wanderer teil: Bacher Charly, Bacher Leopold, Buhr Thomas, Dietrich Michaela, Dörfler Franz, Edthofer Rudolf, Geiger Christian, Geiger Hannes, Gruber Herbert , Hornung Andrea, Hornung Harald, Koller Sepp, Kremshuber Thomas, Kreuzspiegl Richard, Lobmaier Robert, Maron Martin, Maron Sandra, Müllner Andi, Müllner Tini, Nagl Friedl, Nagl Manfred, Nagl Sepp, Reiter-Kocher Michaela und Rubitzko Michael (Biker). Besonders freute uns die Teilnahme der Wanderer Klein Elfi, Klein Günter und Nagl Anni, die bei unseren früheren Touren dankenswerter Weise den Gepäcktransport übernahmen, was heuer jedoch nicht notwendig war, da wir alle drei Nächte in Kirchberg nächtigten.

 

Und tatsächlich: Es ist zwar nicht gerade heiß und es strahlt auch nicht die Sonne, aber es regnet auch nicht und so können wir - aufgeteilt auf zwei Gruppen - die Tour wie geplant starten. Eine Gruppe fährt zur Kobinger Hütte. Mit jeden Höhenmeter, den wir erklimmen wird es kälter und schon bald versperren uns dicke Schwaden den Ausblick auf das bei guter Sicht sicher beeindruckende Panorama. Nachdem wir uns in der Hütte aufgewärmt haben, wollen wir weiter zum Brechhornhaus. Dies wird uns allerdings ab einer Höhe von 1.660 m von den noch reichlich vorhandenen Schneemassen vereitelt. So müssen wir umkehren und fahren nach Brixen, um danach vor der Heimfahrt noch den Rauhen Kopf zu umrunden.

 

Von Donnerstag auf Freitag regnet es die ganze Nacht durch und auch beim Frühstück trübt der Regen etwas unsere Stimmung. Aber schließlich klart es auf und wir können mit einer kleinen Verspätung endlich starten. Wir fahren Richtung Pengelstein (1.940 m) wohl ahnend, dass wir auch heute unser Ziel wegen des noch reichlich vorhandenen Schnees nicht erreichen werden. Und so ist dann auch. Da das Fronleichnam-Wochenende heuer so zeitig fällt, sind wir einfach zu früh dran. Kurz nach der Usterkaralm müssen wir wieder umkehren. Zur großen Freude (zumindest einiger von uns) finden wir einen knackigen Singletrail nach Aschau hinunter, der allerdings im letzten Teil eher schon unfahrbar wird, was auch einige harmlose Stürze untermauern. Bei so einem extremen Gefälle wird bei einem Sturz die kinetische Energie aber Gott sei Dank eher in eine harmlose Rotationsergie umgewandelt (sprich: man kugelt einfach runter; was auch dazu führt, dass sich die netten Freunde vor Lachen zerkugeln - wie auch ich erfahren durfte), während in unseren Breiten die kinetische Energie ja leider oft zur schmerzvollen Deformation aller möglichen Körperteile Verwendung findet. Da Franz einige Zeit nach der Weiterfahrt bemerkt, dass er seine Jacke in Aschau vergessen hat, gönnen wir uns den Singletrail nochmals; diesmal schon vorsichtiger und ohne Sturz aber mit einem ebenso breiten Grinsen wie beim ersten Mal.

 

Wenn man in der Nähe von Kitzbühel ist gibt es natürlich zwei Pflichtziele: den Hahnenkamm und das Kitzbüheler Horn. Am Samstag steht der Hahnenkamm am Programm. Bei Sonnenschein fahren wir Richtung Kitzbühel und so quasi zum Aufwärmen fahren wir noch schnell den Gaisberg hinauf. In Kitzbühel angekommen, lassen wir es uns nicht nehmen, in einem Kaffeehaus sitzend die Reichen und Schönen beim Flanieren in der malerischen Innenstadt zu beobachten. Sehr interessant! Hinter uns eine Schauvitrine einer Immobiliengesellschaft. 250 m²-Haus mit 1000 m² Grund: 3,7 Mio. Euro! Also fast ein Schnäppchen, oder? Ich vergleiche den Kaufpreis mit meinem Kontostand und beschließe nach kurzem Überlegen, dem Angebot doch nicht näher zu treten.

 

Also machen mir uns auf, die knapp 1000 Höhenmeter bis zur Fleckalm über den Hahnenkamm zu bezwingen. Bald nehmen wir wieder mal zur Kenntnis, dass Kitzbühel ein Ort der Superlativen ist. Die Stadt ist sehr schön, die Leute sind sehr reich und die Berge sehr, sehr steil. Schon bald melden die Oberschenkel, dass sie derartige Auffahrten vom Wienerwald nicht gewohnt sind. Aber der Rest des Körpers ignoriert das und es geht weiter. Nach 80 anstrengenden Minuten haben wir unser Ziel erreicht und wir genehmigen uns eine Mittagspause. Eigentlich wollten wir uns danach den bekannten 'Ehrenbachtrail' hinunterstürzen. Doch ein paar einheimische Biker raten uns vehement davon ab. Derzeit sei die Strecke sehr feucht und dadurch auch sehr gefährlich. In Michaelas Gesicht nimmt die pure Enttäuschung Platz; so sehr hatte sie sich schon seit Tagen auf diesen Trail gefreut. Doch schließlich siegt die Vernunft und wir wählen den Weg über die Niedere Fleckalm für die Abfahrt nach Kirchberg. Da noch Zeit bleibt, erklimmen wir von dort ausgehend auch noch das Brechhornhaus. Waren wir am Donnerstag von Norden kommend wegen der Schneelage noch gescheitert, gelingt es uns diesmal von Osten kommend das Brechhornhaus zu erreichen. Lediglich einige kleine Schneefelder mussten wir gehend überqueren. Mit knapp 60 km und 2.400 Höhenmetern in den Beinen kommen wir am Abend in unserer Unterkunft an.

 

Am Sonntag steht als krönender Abschluss das Kitzbüheler Horn am Programm. Wir erheben die Tour zum Gemeinschaftsevent und fahren geschlossen in einer Gruppe nach Kitzbühel. Wie ein Magnet zieht uns die Innenstadt zu sich und wir genießen nochmals kurz die außergewöhnliche Atmosphäre dieses Städtchens. Aber für den Nachmittag ist die Heimreise geplant und so müssen wir uns wieder losreißen. Über den Hagsteinweg arbeiten wir uns bis zum Alpenhaus vor. Ab dort wird es dann wirklich deftig. Die 300 Höhenmeter bis zum Sender hinauf saugen aus unseren schon müden Körpern den letzten Rest der nur noch spärlich vorhandenen Energie. Und wie manche von uns halt sind, lotet man ein letztes Mal aus, was der Körper so aushält und wie hoch wohl die maximale Herzfrequenz liegt. Nach knapp 20 Minuten sind die ersten überglücklich am Ziel und die Knie schlottern und die Oberschenkel brennen und das Herz rast und die Schweißdrüsen verwandeln den ganzen Körper in einen einzigen Gebirgsbach. Nacheinander kommen nun alle rauf. Angefeuert von denen, die schon oben sind. Friedl begrüßen wir mit der La-Ola-Welle; unglaublich, was unser Vorbild mit seinen fast 70 Jahren zu leisten imstande ist. Wir genießen noch eine Zeit lang den herrlichen Panoramablick auf die umliegenden Gebirgsgrößen wie den Großglockner oder Wilden Kaiser und fahren dann beeindruckt nach Kirchberg zurück, wo wir nach einem abschließenden gemeinsamen Abendessen zufrieden und um einige schöne Erfahrungen reicher die Heimreise antreten.

 

Was sonst noch erwähnenswert ist: Der Tiroler an sich scheint gerne mal nett zu sein. Auch wenn sich unsereins auf einen nicht freigegebenen Weg verirrt, wird man zuerst einmal mit einem freundlichen 'Griaß Eich' begrüßt, um dann ebenso freundlich darauf hingewiesen zu werden, dass es da nicht weiter gehe und der richtige Weg da oder dort wäre. Keine Spur von rotverkabelten Hälsen mit ihren Chamäleonköpfen, die es verstehen, binnen Sekundenbruchteilen die Gesichtsfarbe von nobelblass in Jolly Nr. 07 (Anm: = karminrot) aufzupumpen, sobald die in den Chamäleonköpfen sitzenden Augen den Anblick eines Mountainbikes über das Zwischenhirn direkt in die sensorischen Felder des Großhirns knallen. Auch die Wanderer dürften in Tirol von der ausgeglichenen Sorte sein. Stets werfen sie einem ein Lächeln entgegen und wenn es die kurze Zeit der Begegnung zulässt auch noch ein paar aufmunternde oder anspornende Worte - je nachdem ob man sich die in Tirol üblichen 15 - 20% Steigung gerade hochquält oder das Bike die zum Gefälle mutierten Prozente hinunterraspelt wie die Karotten werktags in Hipp's Babybrei-Fabrik.

 

Ergo: Kitzbüheler Alpen, wir freuen uns auf ein Wiedersehen! 

 

Michael Rubitzko

 

GPS-Daten der Tour

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